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Schneckenpost

Was bei Tisch der geschriebene Knigge, ist im Golf die ungeschriebene Etikette. Heute geht’s ums Zeitmanagement. Sie glauben gar nicht, was man auf dem Weg zum Ball alles erledigen kann.

Je routinierter jemand spielt, desto dramatischer fällt es ihm auf: Die Golfplätze sind voll von Trödlern. Statt Genuß in einer zügigen Runde und einem feinen Score zu finden, scheinen diese Schnecken einzig daran Spaß zu haben, Zeit zu vergeuden.

Zuerst wandern sie aufs falsche Tee - Ach, spielen wir heute von Gelb? - dann haben sie den falschen Schläger in der Hand, und schließlich suchen sie noch ausgiebig nach ihrem verlorengegangenen Tee.

Sind sie vom Abschlag weg die Kürzesten, graben sie sofort im Bag nach Feuer und einer Linderungszigarette.

Anstatt hoffnungslose Bälle aufzugeben, stürzen sie sich unter Todesverachtung in die dichtesten Himbeeren und grandiosesten Biotope, um das gefährdete Doppel-Par zu retten.

Auf dem Fairway halten sie minutenlang innere Zwiesprache, um 70 Meter vor der Fahne zwischen Pitching- und Sandwedge zu wählen, satt bereits auf dem Weg zum Ball eine Entscheidung zu treffen. Doch da gab es ja Wichtigeres zu erzählen - vom letzten Urlaub/Friseurbesuch/Abendessen oder von der Lage der Nation.

Gefürchtet sind auch die Umwege der Bremser. Nach einem Bunkerschlag kommen sie drauf, daß sie achtlos am Rechen vorbeigegangen sind, der jetzt zweimal 40 Meter entfernt liegt. Ihr Wagerl steht nach dem letzten Putt garantiert am falschen Eck des Grüns. Und ihre Eiertänze rund ums Loch, um nur ja nicht in die Puttlinie eines Mitspielers zu treten sind fast schon wieder herzig.

Auf dem Grün vermessen die Traummännlein 80-Zentimeter-Putts mit dem Sextanten und dem Hundertjährigen Kalender. Und niedergeschrieben werden die Scores garantiert noch auf dem Grün, damit auch der folgende Flight was abkriegt von der Verspätung.

So sicher, wie ein Butterbrot immer auf die klebrige Seite fällt, ist auch. daß genau diese Schläfer in jeder Runde am Tee des längsten Par 5 am Platz ein Headcover/Handtuch/einen Schläger verlieren (und erst am Grün den Verlust bemerken, was zweimal 500 Meter Fußmarschverzögerung mit sich bringt). Auch wenn diese Damen und Herren versuchen, beim Schwung die verlorene Zeit wieder einzuholen: Es ist zu spät.

Doppelt schlimm macht diese Langsamkeit, daß wir die Betreffenden aus dem übrigen Leben kennen: Darin Bahnen sie sich mit der Lichthupe den Weg durch den Verkehr, schelten Billa-Kassiererinnen weil die gerade die Papierrolle wechseln, und überholen Warteschlangen prinzipiell von rechts mit Ausreden.

Versucht man, die Trödler behutsam anzutreiben, heißen sie einen arogant - Nur weil sie ein niedriges Handicap haben, lasse ich mir von Ihnen nix anschaffen! - und reagieren verschnupft: Ich will schließlich Spaß haben beim Golf, und nicht hudeln!

Gegen diese Golfphilosophie ist nichts zu sagen, so der Trödler stets einen Gleichgesinnten findet, der das aufgezwungene Spieltempo nicht als Affront, sonder als Vergnügen empfindet, und solange andere Flights nicht leiden müssen.

Sonst bleibt uns Gebremsten nur eines übrig: demütiges Warten auf das nächste Turnier, wenn diese Schnecken dann ihre Strafschläge kassieren.

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“Seine Investition in neue Hölzer hat sich gelohnt -
 sein Slice ist glatte 20m länger!”

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